Bela B (beim arschlochcasting)

Bela B (beim arschlochcasting)
von klezek haben wird einen tollen text über Bella B bekommen. dieser text und andere kurzgeschichten gibt es in dem tollen buch "Wie Franz Beckenbauer mir einmal viel zu nahe kam"
herausgegeben von Christian Ankowitsch und Tex Rubinowitz
Eichborn
16,90 EUR
ISBN 3821855584

 

Es muß so1993 gewesen sein, als Menschen aus meinem engeren Freundeskreis einen regelmäßigen Skinhead-Hangout in der Tanzschule Schmidt (damals noch in der Inselstrasse in Berlin-Mitte) veranstalteten. Dort traf man sich wöchentlich bei Reggae, Ska, Oi und Alkoholika, besprach den Zustand der Szene im allgemeinen und im besonderen, verhökerte 2nd-hand-Klamotten, Tonträger und Fanzines und tanzte.
Eines solchen Abends vertrat ich dort einen Freund hinterm Tresen. Es war noch recht früh und nicht sehr viel los, als Bela B in Begleitung von drei Typen hereinkam. Die vier standen einen Moment lang herum und schauten sich um, dann gingen sie zur Bar. Herr B bestellte einen Weißwein, "einen trockenen bitte". Seine Begleiter bestellten Bier, wenn ich mich recht erinnere. "Hm, Weißwein, muß mal schauen, was wir da so haben" sagte ich und wühlte in den Tiefen des Kühlschranks. Ich fand den Weißwein und präsentierte das Etikett. Herr B sagte "Ja, okay". Während ich dekantierte, fragte ich mich, was er wohl hier wolle und ob es sich bei seinen Begleitern um Bodyguards oder um Freunde aus dem Fitnesstudio handelte. Dann zahlte er und gab den Grund seines Besuchs preis: er suchte Darsteller für ein Ärzte-Video. Ein Lied gegen rechts irgendwie. Skins sollten es sein. Ob ich wohl wüßte, wen man da ansprechen könnte. Recht schnell hatte ich eins und eins zusammengezählt und sagte ihm, daß er natürlich jeden der Anwesenden ansprechen könnte, ich aber bezweifelte, daß er hier jemanden für den Job finden würde. Das Castinggrüppchen verweilte noch einen Moment an der Bar und tuschelte ein wenig, dann zog es los und sprach nacheinander zwei oder drei im Raum verteilte Skinheadcluster an. Aus Gestik und Mimik der Angesprochenen konnte ich aus der Ferne schließen, daß sich die Begeisterung über das Angebot sehr in Grenzen hielt. Keine zehn Minuten später verliessen Herr B und seine Begleiter erfolglos aber unversehrt die Tanzschule Schmidt.
Später am Abend wurde der Besuch und das Anliegen des Herrn B noch ausführlich diskutiert und man kam allgemein zu dem Schluß, daß es peinlich und unwürdig sowie kontraproduktiv für die eigene Sache (die damals noch S.H.A.R.P. – Skinheads Against Racial Prejudice – hieß) wäre, in einem Ärzte-Video zu einem inhaltlich nicht näher beschriebenen Song zum Schein den Arsch für die gute Sache zu geben. Man ahnte, daß aus aktuellem Anlaß mal wieder ein geschorener Sündenbock hermußte und man befürchtete das Dümmste.
Und so kam es dann ja auch: "Schrei nach Liebe" heißt das Stück, und der Refrain endet auf: ARSCHLOCH! Speziell nach Erscheinen des Videos, für dessen ''Skinhead''-Appearance – so das Gerücht – a) Jungschauspieler b) freilaufende Landeierköppe herhalten mußten, haben es einige Anwesende bitter bereut, Bela B an jenem Abend nicht präventiv in Grund und Boden gestiefelt zu haben.
Der Weißwein, den ich Herrn B ausgeschenkt habe, muß übrigens ziemlich trocken gewesen sein, denn er stand sicher schon mindestens einen Monat lang offen herum. Weißwein läuft ja in Skinheadkreisen nicht besonders gut.
klezk überlebte verschiedene Werbe-Bootcamps, wurde infolgedessen resozialisiert und ist jetzt Grafikdesign-Söldner und Spezialagent der Zentralen Intelligenz Agentur.

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Barcelona Street Art 2011 - ?

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