COPASETIC MAILORDER – Interview

Hi Alex, wie bist du damals darauf gekommen einen Mailorder für traditionelle Musik aufzumachen? Wie sieht deine "Vorgeschichte" aus, und was machst du sonst so?

Es gab vorher einfach keinen Mailorder in Deutschland, der Originalvinyl und Platten von guten, aber (noch) unbekannten aktuellen Bands verkauft hat. Diese Lücke wollte ich mit dem Copasetic-Mailorder schließen. Persönlich sammele ich schon seit vielen Jahren Ska, Skinhead Reggae, Reggae, Mod & Northern Soul Platten und treibe mich hauptsächlich auf Konzerten, Nightern und Flohmärkten rum.
Angefangen hat es bei mir eigentlich sehr früh (da war ich 12) mit Elvis und anderem frühen Rock'n'Roll und R'n'B. Mit einem Schwenk über Psychobilly habe ich irgendwann die R'n'B Platten wieder hervorgekramt und gemerkt, dass in den 50/60ern auf Jamaika viele R'n'B Titel gecovert wurden. Naja und da habe ich die Fülle an guter jamaikanischer Musik mit all ihren Ablegern für mich entdeckt.

Wie darf man sich den Copasetic-Mailorder vorstellen? Die klassische 2-Zimmerwohnung voller LPs, CDs, MCs und Paketklebefolie?

So ungefähr. Allerdings sind es drei Zimmer, weil ich meiner Freundin inmitten der ganzen Plattenkisten und Versandtaschen auch noch ein bisschen Platz einräumen muss.

Welche Platten würdest du Sammelanfängern empfehlen?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, da jeder, der mit dem Sammeln anfängt, dieses mit einem unterschiedlichen Background macht. Viele haben jahrelang andere Musikstile gehört und sind durch diese geprägt, wenn sie anfangen sich mit Ska, Reggae, Soul oder Mod zu beschäftigen. Dh. die meisten fangen ja nicht von heute auf morgen an mit dem Sammeln, sondern es entwickelt sich langsam, dass sie immer mehr Platten kaufen und irgendwann vor einer netten Sammlung stehen. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Facetten, der eine sammelt nur UK releases, der andere nur JA. Der nächste will nur Musiktitel die zwischen 1966-69 aufgenommen wurden und der nächste will nur original Ska ein anderer sammelt nur 2Tone usw. Da muss jeder selbst seine Vorlieben finden. Ich denke man sollte sich erst mal einen (kleinen) Überblick über die riesigen Jamaikanischen Musikmarkt machen und sich dann überlegen was einem am besten gefällt. Im Moment gibt es einige sehr gute Sampler wie zB "Rude Boy Scorcher", "Night At The Hop" oder die versch. Boxen und LP's von Trojan, Reggae Retro und Pressure Sounds.
Dann muss man sich natürlich im klaren darüber sein, dass die Original-Platten teilweise enorme Preise erzielen und der eine oder andere Knackser einfach dazugehört.

Hast du auch schon mal daran gedacht, Platten zu produzieren?

Vor gut zwei Jahren habe ich eine EP mit der japanischen Rocksteady Band "Dreamlets" herausgebracht. Dabei ist es bisher geblieben, da ich meinen Schwerpunkt ja eigentlich im Vertrieb habe. Aber wer weiß – wenn mich eine gute Band noch mal so richtig interessiert, dann kann ich mir auch gut vorstellen das Ganze zu wiederholen

Wie wirst du auf eher unbekannte Bands wie Mr.T-Bone, Aggrolites, Mr.Fly Ska Band etc. aufmerksam, die du ja alle in Deutschland als Erster angeboten hast?

Gute Frage, ich halte immer die Ohren offen, besuche möglichst viele Konzerte, höre aufmerksam zu, was andere DJ's so auflegen und habe natürlich auch überwiegend Musikjunkies in meinem Freundeskreis, von denen auch jeder immer wieder Neuentdeckungen macht.
Ansonsten kann es auch sein, dass eine Band mir Demomaterial oder MP3's zuschickt und wenn es zu meinem Programm passt, nehme ich es gerne in meinen Katalog auf. Also, wenn sich jetzt jemand angesprochen fühlt: Her mit der guten Musik !

Was unterscheidet Copasetic von Moskito?

Copasetic und Moskito sind zwar beide im gleichen Bereich tätig, unterscheiden sich aber trotzdem sehr. Mosikto ist gut und wichtig für die Szene, da durch ihn Bands einem grossen Publikum zugänglich gemacht werden und die Bands professionell aufgebaut werden. Copasetic ist gut, um neue Bands zu entdecken und sie aus der Versenkung zu heben. Desweiteren sind wir natürlich auf 2nd-Hand-Sachen spezialisiert und sprechen damit eher Sammler/DJs und andere Leute, die neue Bands oder Raritäten suchen, an.

Du fungierst ja auch als DJ. Zu welchen Songs schwingst du auf Nightern immer gerne das Tanzbein und welche willst du gefälligst niemals wieder hören?
Mit welchen Shanties versuchst du krampfhaft die Leute vom Tresen auf die Tanzfläche zu kriegen und mit welchen ekelst du den Mob aus dem Laden, wenn du langsam mal Feierabend machen willst?

Mir gefallen Nighter eigentlich am besten auf denen viele Sachen laufen, die ich noch nicht kenne. Wenn das Lied in die Beine geht, tanze ich eben. Ska-Stücke, die mich auf die Tanzfläche ziehen, sind z.B. Pempelem (Azie Lawrence), Life could be a dream (Maytals), viele Prince Buster Tunes und etliche andere. Soultechnisch packt mich eigentlich immer Night Owl (Bobby Paris) und Too Late (Williams & Watson). Wenn ich selbst auflege habe ich meist kein festes Set, sondern versuche auf das Publikum einzugehen. Leider tanzen die Leute am liebsten auf Stücke, die sie schon kennen, und sind oft nicht sehr aufgeschlossen gegenüber unbekannte Stücken. Wirkliche Rausschmeißer nehme ich nicht mit (auf jeden Fall denke ich, daß das so ist…). Am Ende werden eben langsamere Stücke gespielt und irgendwann geht das Licht aus.

Man kann ja in letzter Zeit mit gutem Gewissen von einem Boom bei traditioneller jamaikanischer Musik sprechen. Gerade viele Skins entdecken den alten Ska und Reggae wieder, Bands wie die Aggrolites, Granadians oder Aggronauts spielen Skinhead Reggae, plötzlich spriessen auch wieder Fanzines die sich vornehmlich mit dem Sound der alten Schule beschäftigen aus dem Boden.
Auch Soul und Mod-mäßig scheint sich einiges zu tun.
Merkst du da auch was von? Was sind deine Verkaufsschlager?

Ja, zur Zeit bemerkt man ein gesteigertes Interesse an 60's-Musik im allgemeinen. Verkaufsschlager sind im Moment (und das zurecht, wie ich denke) im Skinhead Reggae Bereich die Aggrolites CD & 7, King Terror sowie im Modbereich die beiden 7'EP#s der Moving Sounds!

Gerade im Skinhead-Reggae Bereich gibt's da ja textlich allerlei interessantes, da geht's um Liebe, Sex, Politik, Gewalt und Nonsense.
Was macht für dich einen interessanten Text aus? Konkrete Beispiele erwünscht!

Also, beim Skinhead Reggae favorisiere ich eigentlich die Instrumental-Lieder. Ansonsten finde ich die Stücke, in denen es um das Leben, Lieben und Leiden auf Jamaica geht, textlich interessant. Die Tunes bei denen sich die einen Producer über die naderen aauslassen, von denen dann wieder ne Retourkutsche kommt, verfolge ich auch immer gerne.

Wie stehst du zu 3rd. Wave-Ska und Ska-Punk? Gibt es auch in diesen Bereichen Bands, für die du dich erwärmen kannst? Und wie schaut es bei Oi und Punk-Bands aus?
Welche Musikrichtungen und Bands die du nicht verkaufst und auflegst, hörst du gerne, quasi zum Ausgleich?

Ich finde wichtig, dass sich die Musik weiterentwickelt und so hat sie es ja auch in Jamaica von den Anfängen in den späten 50ern bis heute getan. Das zeichnet eine lebendige Szene aus und viele "Neueinsteiger", die durch 3rd Wave-Ska zu der Musik gekommen sind, interessieren sich früher oder später evtl. auch für die Ursprünge der Musik. Wenn man ehrlich ist, sind die meisten zuerst über diese Schiene auf die Musik aufmerksam geworden. Bei mir war das nicht anders und ich habe Anfangs sehr viel 2-Tone und später uach 3rd Wave gehört. Als ich aber mal begonnen habe, bewußt die Sachen zu suchen, von denen z.B. die Specials und andere Bands beeinflusst wurden, bin ich sehr schnell auf die jamaikanischen Originale gestossen – und hängen geblieben. Anderen Musikrichtungen gegenüber bin ich aber auch sehr aufgeschlossen. Es ist nicht so, dass ich nur jamaikanische Musik aus den 60ern höre. Ich höre eigentlich zu viel Musik, um alles hier aufzählen zu können- kommt auch immer auf die Tageslaune an. Im Moment sind oft wieder Superpunk dabei, aber auch King Khan, Psychobilly usw.usw.. Auf das Stary Cats Konzert in Hamburg freue ich mich auch. Mit Oi! Kann ich fast gar nichts mehr anfangen und bei Punk bevorzuge ich die 79er-Sachen.

Grüsse?

Grüsse gehen selbstverständlich an das großartige Team Borderland und alle Öcher, Commander K, Wicked Bighead, die Jungs & Mädels vom Beatclub Dessau, Peanut Vendor, Aggrolites, Gene Drayton Unit, No. 1 Station, Jamaica 69 und alle in Nord, Süd, Ost, West und sonst wo die ich vergessen habe.

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