Rolando Random and the Young Soul Rebels

Bei den antworten steht r für rolando random und j für johann soul (posaunist)stellt mal kurz die band vor!

R: Nach dem Ableben von Mother´s Pride hatte ich mir mit johann überlegt weiter zusammen zu bleiben. Ich hab bei Mother´s Pride Alt-Saxophon gespielt, bei anderen bands in denen ich zuvor war, war ich Sänger (z.B. Tatort, Captain Crunch). Johann Soul spielt Posaune, singt background, schreibt viele unserer Stücke und hat ein tolles musikalisches gehör. Johann hat zuvor schon öfter mit Andrei (Schlagwerk) und Niko Rebel (gitarre und backgroung gesang) Musik gemacht. Mit Hans Durst hab ich zusammen bei den Pillocks gespielt, außerdem hab ich mal mit Begeisterterung ein Yummy-Konzert verfolgt und wußte daher, dass Hansi durchaus auch zu mehr fähig ist (was nicht heißen soll, dass die Pillocks nicht eine brilliante band sind). Mit J.B. Beat (keys) haben wir auch bereits schon bei Mother` s Pride zusammen gespielt, ebenso wie mit Achim (tenor-sax), der uns gelegentlich verstärkt. Nebenher gehört zu so´ner band ja auch immer noch ein Umfeld…leute die wichtig für uns sind und uns helfen, wo sie können. Die alle vorzustellen ginge vielleicht ein bißchen weit…später im interview wird sich Falk (der sich stets um unseren bus kümmert) noch auslassen.

ihr tretet im einheitlichen weiß auf. eine kleine reminiszens an clockwork orange?

J: Nein, in erster Linie Diktat des guten Geschmacks. Und eine kleine Reminiszenz an Hansis Glamrock-Vergangenheit.

mir gefällt der name. habt ihr "young soul rebels" von dem film oder dem dexy song?

J: Schön, dass Du ihn nicht zu lang findest, wie viele Leute, wenn sie das erste Mal damit konfrontiert werden. Letzteres trifft eher zu. Wichtig war uns aber vor allem, einen Namen in der Form "blabla & die so-und-sos" zu haben. "Dick Delicious & The Tasty Testicles" ist schon vergeben, und gegen den Alternativvorschlag "Rolando Romance & die rülpsenden Rosenverkäufer" haben einige ihr Veto eingelegt.

da fußball eine wichtige rolle bei underground-network spielt, bitte ich um eine ausführliche einführung in die provinz-liga berlin. werden auch clubs von außerhalb supportet?

J: Ich habe keine Ahnung davon. Roland geht manchmal zu Babelsberg (oder?).
R: Das stimmt…aber auch eher wenn es sich gerade ergibt. In Babelsberg haben sie eine tolle Fußball-Szene. Die rechten wurden aus dem Stadion vertrieben, übrig geblieben ist die Potsdamer Hausbesetzer-Szene der frühen 90er – nach der Wende stellte Potsdam eine Art Hochburg für Hausbesetzer dar. Es gibt einen netten kleinen Fanladen in dem man nach dem Spiel noch einen heben kann – wobei auch nette anhänger des gegner-clubs willkommen sind und bestens behandelt werden – ich weiß das, da wir mal in werder montur nach einem spiel der werder bremen amateure dort eingelaufen sind. Es war (wie immer in Babelsberg) ein feucht, fröhlicher abend. Ja…in erster Linie schlägt mein Herz nämlich grün-weiß, da ich ursprünglich aus bremen komme und seit ich laufen kann ins stadion gehe. Daher fällt es mir jetzt auch schwer zu genaue einschätzungen über die anderen teams in berlin zu geben. Außer beim BFC Dynamo war ich zwar überall schon mal…jedoch meißt im gästeblock, da es in irgendeiner form mal ein spiel gegen den SVW gab…wir kennen viele Union Fans, was aber trotzdem nicht wirklich heißt, dass man weiß was da so geht..Wir haben auch viele sehr nette Hertha Fans kennengelernt, auch wenn der Ruf nicht so großartig ist.Falk, derjenige, der unseren bus fährt zu auswärts-konzerten ist großer Tennis Borussia Anhänger. Hans Durst ist 1860 begeistert, da er lange in münchen gelebt hat…und da endet die Fußball-Begeisterung in der band schon wieder.
F: Ok, dann versuch ich mich mal. In Berlin gibt es logischerweise nen ganzen Haufen Fußball-Clubs. Ich würde sagen, dass ich mal eben auf die wichtigsten/interessantesten eingehen sollte.
In Berlin ist, wie in den meisten Orten, die Fußball-Szene sehr stark von Männern dominiert. Frauen sind wie so oft nur eine Randerscheinung, da Sie bei den meisten Männerritualen, wie z.B. bei -43° C bauchfrei im Stadion stehen bzw. bei der 3. Halbzeit einfach nicht mithalten wollen bzw. können. Viele Frauen werden auch abgeschreckt durch Anmachen seitens der zumeist stark alkoholisierten, paarungsbereiten Männchen.
Nur bei einigen wenigen Vereinen ist dies anders. So zum Beispiel bei der glorreichen Tennis Borussia, welche in der gar nicht so glorreich in der Oberliga spielt. Bei den Fans von Tebe steht ist eindeutig klar, dass Sexismus, Rassismus, etc. nicht geduldet werden. Tebe hat eine relativ große Fangemeinde, diese setzt sich zu einem großen Teil aus Linken zusammen, z.B. Hippies, Punks oder eben auch die bei Auswärtsspielen sehr gefürchteten Red- and Anarchist-Skinheads von der Brigade Tennisschläger.
Außerdem gibt es noch einen weiteren linken Verein in Berlin. Dieser heißt Türkiymspor und wurde von linken, intellektuellen Türken gegründet. Dieser spielt im Katzbachstadion in Kreuzberg und hat nur eine sehr kleine Fangemeinde. Wie Tebe ist auch Türkiymspor sehr unbeliebt, innerhalb und ausserhalb von Berlin, da linke Fans bei Fußball eben nicht so gern gesehen sind.
Dann gibt es noch Union Berlin. Dieser Verein war in der DDR der sogenannte Arbeiterverein, bei welchem die Fans angeblich oftmals von der Stasi bespitzelt wurden. Heute setzt sich das Publikum aus zumeist Ostdeutschen zusammen. Diese laufen wie vor der Wende rum: Vokuhila-Haarschnitt (vorne kurz, hinten lang), alte süffige und ausgewaschene Jeansklamotten und Schnurrbart, schrecklich. Das jüngere Publikum besteht aus linken Fußball-Fans bis hin zu Kameradschaften und Nazis von der NPD und dem Nationalen Widerstand. Union ist in Berlin ziemlich verhasst.
Der Gegensatz von der Union ist der BFC-Dynamo, der DDR-Rekordmeister. Heute nicht mehr sehr erfolgreich spielt er nur noch in der sehr unbedeutenden 5. Liga. Die Fans vom BFC sind sehr verschrien, da sehr gewaltbereit. Bei Auswärtsspielen sind häufig mehr Fans, als bei den Heimspielen. Da sich das Publikum aus vielen Hooligans zusammensetzt ist der BFC als Nazi-Verein sehr unbeliebt. Sicher gibt es bei den Fans des BFC auch Nazis, es gibt aber eben auch viele linke Hools. Sehr gefürchtet waren in den letzten Jahren immer das Derby zwischen dem BFC und Union Berlin. Der BFC war vor der Wende der Club, der bei der Partei am meisten ankam, Union eben der Arbeiterverein. Der Hass zwischen den beiden Vereinen besteht noch heute, weshalb es beim Duell zwischen den Beiden öfters mal zu heftigen Straßenschlachten kam, bei der auch die Polizei ziemlich schlecht aussah. Die Hools vom BFC sind auch regelmäßig zur Walpurgesnacht in Berlin unterwegs, um zusammen mit der radikalen Linken Berlins den Feind in Grün anzugreifen.
Als letztes gibt’s noch Hertha BSC. Zu den Idioten muss nicht mehr viel gesagt werden, das kann man sich ja jedes Wochenende im TV antun. Das Publikum besteht aus Nazis, Dumm-Hools und wie Bei Union aus Opfern, so weit das Auge reicht.
Auswärtige Vereine die in Berlin unterstützt werden sind der FC St. Pauli, welcher in Berlin eine sehr große Fangemeinde hat. Die sah man am besten am 19.12.2001, als an einem Spieltag mitten in der Woche gegen Herthe BSC von 4.000 Pauli-Fans nur 500 aus Hamburg kamen.
Außerdem supportet Berlin noch Chemie Leipzig bzw. Roter Stern Leipzig.

ihr habt ja fast alle bei bekannten bands mitgespielt. helfen euch die alten kontakte weiter, um konzerte zu bekommen. schließlich habt ihr bereits auf solchen festivals wie der summer safari oder in roslau gespielt.

J: Ja, hilft!
R: das eine sind alte bekannte, die neugierig auf das neue sind. Zum anderen sind es auch neue leute, die die alten bands kannten. gerade fürs erste konzert in einer region fühlen sich veranstalter, die wir jetzt neu dazu kennenlernen manchmal sicherer mit bekannten namen im rücken – als wäre es eine art versicherung für den veranstalter, dabei machen wir ja schon etwas andere musik als sämtliche ex-bands. Die festivals liefen über einen guten bekannten von mir (inzwischen ein freund) aus Tatort-Zeiten. Franze hat mit Julian in Leipzig zusammen eine booking-agentur, die viel für uns macht. Nichts desto trotz laufen die meißten konzerte trotzdem über uns direkt.

gerade berlin ist vom sozialabbau betroffen. leere kassen, und es wird fleißig weitergekürzt. wie seht ihr die situation?

J: Ist kein Thema, zu dem wir als Band geschlossen eine Aussage abgeben können. Darüber, dass großer Mist passiert, dass kräftig in die falsche Richtung umverteilt wird während gleichzeitig – nur als Beispiel – unverständliches Politik(er)versagen wie beim Berliner Bankenskandal Milliarden kostet, sind wir uns sicher einig, glaube ich.
R: wahrscheinlich sind wir uns in vielen punkten einig. Kürzungen im sozialbereich sind natürlich auch ein thema, das einen als band betrifft. Je kleiner die band ist, desto größer kann so was einfluß nehmen. Wir spielen viel und gerne in linken jugendzentren – wenn sie nicht komplett autonom sind haben die alle mit kürzungen zu kämpfen.

wird es in nächster zeit neue aufnahmen geben? die songs auf der homepage finde ich nicht wirklich aussagekräftig…

J: Aufnahmen von sieben Songs werden gerade gemischt und werden wohl bei Dockland Records (neues Berliner Label) erscheinen. Einer davon, "Bin in Las Vegas, Baby", kommt auch demnächst auf einem Sampler mit 15 Berliner Ska-Bands raus.

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